Wir alle können mit unserem täglichen Tun etwas verändern. Das Potenzial steckt in uns – wir dürfen ausprobieren, lernen und entdecken.

 

Es gibt Geschichten, bei denen wir beim Lesen sofort Gänsehaut bekommen. Etwa jene der Pakistanerin Malala Yousafzai. Sie war elf Jahre alt, als sie begann, sich für die Rechte von Mädchen auf Bildung einzusetzen. Ein lebensgefährliches En­gagement. 2014 erhielt sie für ihren Mut den Friedens­nobelpreis. Heute, sie ist mittlerweile 26 Jahre alt, ist sie UN­Friedensbotschafterin und noch immer für Frauen­ und Menschenrechte aktiv.

Malala Yousafzai hat mit ihrem Einsatz ein weltweites Zeichen gesetzt und macht uns bewusst, dass es ganz si­ cher nicht auf das Alter, Geschlecht oder den beruflichen Status ankommt, um etwas zu bewirken. Für mich ist es im Leben wenig spannend, was Menschen erwirtschaften, hochneugierig macht mich indes, was sie erwirken. Selbst mit gefahrlosen und „kleineren“ Handlungen können wir das Leben anderer in unserem Umfeld verändern. Haben Sie sich schon einmal gefragt, was Sie mit Ihrem Beruf bewirken? Welche Stütze Sie in Ihrem Umfeld sind? Oder wie Ihre gesamte Lebensweise auf andere wirkt? Wir inspirieren und beeinflussen einander ständig. Was würde sich verändern, wenn wir unser berufliches Tun nicht als Arbeitszeit, sondern als Wirkungszeit ansähen? Seien wir uns mehr bewusst, dass alles, was wir tun, einen Effekt hat. Wir wirken.

Schenken wir etwa jemandem ein offenes Ohr, der ganz hastig und aufgebracht erzählt. Wir atmen ruhig, stehen mit den Füßen fest auf dem Boden, sprechen langsam, unsere Stimme ist ruhig und tief. Das zeigt Wirkung: Unserem Gegenüber wird es leichter fallen, langsamer zu sprechen und zu atmen, ruhiger zu werden. Dabei haben wir gar nicht viel getan, oder etwa doch?

Vor einem Jahr habe ich eine siebenmonatige Reise gewagt und mein Unternehmen pausieren lassen. Ich bin unter anderem durch Island und Südafrika gereist, es war eine wunderschöne Zeit. Ich habe diese Reise ganz eigen­ nützig gemacht. Für mich. Und dennoch hat sie andere be­ wegt. Ich bekomme Nachrichten zugeschickt wie: „Schau, wo ich gerade bin. Ich habe mich auch getraut.“ Diese Menschen haben sich einen Traum erfüllt, weil jemand anderer von seinem berichtet hat. Und dieser Welleneffekt führt sicher noch weiter – er wirkt.

Wir wirken oft subtil. Ohne dass wir es merken, können sich unsere Gewohnheiten oder Worte im Leben eines anderen Menschen verankern. Als ich beispielsweise vor Kurzem mit meiner Familie in Portugal war, setzte sich unser Sohn auf einen steinernen Vorsprung. Er schloss die Augen und sagte: „Ich meditiere jetzt, hier ist es gerade so schön.“ Diesen Satz habe ich sicherlich schon hunder­ te Male unbedacht gesagt. Klar, Meditationen zählen zu meinen beruflichen Werkzeugen und täglichen Ritualen. Mein Sohn hat gesehen, wie gut mir diese Auszeiten tun und wie sie meine Stimmung jedes Mal heben, er hat das verinnerlicht und wollte es nun ebenfalls probieren.

Worte wirken. Studien zeigen, dass die Verben „müssen“ und „sollen“ das Stresslevel erhöhen und sogar den Blut­ druck anheben können. Daher bin ich bedacht darauf, in meiner Kommunikation auf diese Worte zu verzichten. Achtsame Sprache bringt etwas Besonderes in unsere Ge­ spräche. Denn die richtigen Worte können ermutigen und inspirieren. Und hier sind nicht nur die Worte gemeint, die wir laut aussprechen. Unser innerer Dialog zählt vermut­ lich noch mehr.

 

Worte wirken! Studien zeigen, dass die Verben „müssen“ und „sollen“ das Stresslevel erhöhen und sogar den Blutdruck anheben können. – Nicole Hobiger-Klimes

Unser Wirken kann sogar um die Welt gehen. Vielleicht haben ja auch Sie das Video gesehen, in dem eine Frau in einer U­Bahn plötzlich anfängt, laut zu lachen. Ab­sichtlich. Zu Beginn sind die anderen Fahrgäste ir­ritiert. Dann aber fällt fastder ganze Waggon in das Lachen ein. Ein Lachen – große Wirkung. Es muss aber nicht immer laut sein. Auch ein stilles Lächeln kann viel sagen. Es ist der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen. Manchmal frage ich mich, wie lange es wohl dauern würde, bis ein Lächeln einmal um die Welt gegangen ist. Wenn also jeder Mensch eine Person anlächelt und diese Person das Lächeln weitergibt – wann haben wir alle ein Lächeln bekommen?

MEIN WIRKUNGSVOLLER TIPP

Welche Wirkung möchten Sie heuer in der Welt erschaf­ fen und was kann heute noch gestartet werden? Ein Lä­ cheln, das um den ganzen Häuserblock wandert? Es kann auch eine Essenseinladung für die KollegInnen sein. Ein paar Worte der Wertschätzung an einen lieben Men­ schen und vielleicht auch an die eigene Führungskraft! Oder Sie lassen das Handy bei einem Treffen zu Hause und sind für Ihr Gegenüber ganz präsent. Mal wirklich mit allen Sinnen da sein, zuhören und nicht abgelenkt sein. Denn: Wir wirken mit allem, was wir tun.

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