Starke Männer, starke Frauen: Wie wir den Geschlechterkampf beenden und gemeinsam wachsen

Männer in der Krise. So könnte die Headline lauten zu der Geschichte über die Auswirkungen von veränderten Rollenbildern, MeToo-Feminismus und der vielseits angeprangerten toxischen Maskulinität. Keine Frage, viele der Breitseiten gegen Männer sind berechtigt. Gleichzeitig sehe ich in meiner Coaching-Arbeit immer mehr Männer, die hungrig danach sind, in eine neue Stärke als Mann zu finden. Männer, die ihre Partnerinnen mit offenem Herzen lieben wollen, die Frauen ehren und ermächtigen und mit ihrer Vergangenheit Frieden schließen wollen. Die eine Kraft des Guten in der Welt sein, einer Bestimmung folgen möchten, die mehr ist als nur Geld zu verdienen. Wie jede Krise, bietet auch diese eine Chance und zwar für Männer und Frauen gleichermaßen: Ein Paradigmenwechsel hin zu einer integrierten, reifen und geerdeten Maskulinität.

Das erwartet Dich in diesem Artikel!: 

Siehst und spürst Du ebenfalls, dass das alte Paradigma der Männlichkeit, das wir vererbt bekommen haben, nicht mehr funktioniert? Wir sehen es unter anderem an den Statistiken, die von teilweise stark steigenden Zahlen bei Depressionen, Selbstmorden und Suchtverhalten unter Männern erzählen. Wir sehen es aber auch am Zustand der Welt im Allgemeinen. Daran, wieviele Frauen immer noch von Männern missachtet, unterdrückt und misshandelt werden. Und sicherlich merken wir den Mangel an Wertschätzung gegenüber dem Femininen auch daran, wie Mensch mit Mutter Natur umgeht. Was uns allen gut tun würde, ist ein neues Verständnis darüber, was Mann Sein bedeutet und wie wir es auf dem Fundament von Integrität, Bewusstsein, Präsenz und Liebe aufbauen können.

Eine Männlichkeit, die den Aufstieg des Femininen unterstützt und mit Hingabe zelebriert

Damit meine ich nicht nur Frauen, sondern die femininen Qualitäten in allen von uns, ob in einem männlichen oder weiblichen Körper wohnend. Dann würden Mainstream-Systeme nämlich Frauen nicht mehr in so epischem Ausmaß „vermännlichen“, indem sie maskuline Energiequalitäten wie Strebsamkeit, Verstand, Ratio, Zielorientierung und Fokus fördern, während feminine Prinzipien wie Intuition, Emotion, Herzverbundenheit, Spontanität, Verspieltheit und die Verbindung zur Natur und ihren Zyklen kategorisch als „weniger wichtig“ erachtet werden. Diese Imbalance ist eine der zentralen Probleme unserer Zeit. Solange wir das eine höher bewerten als das andere, bleibt die Welt im Ungleichgewicht – und wir mit ihr.

Gleichgewicht ist das Stichwort

So manche Trends laufen aber Gefahr, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Männlichkeit als Ganzes auseinander zu nehmen, Maskulinität als toxisch zu bezeichnen und Männer sprichwörtlich zu kastrieren, ist nicht des Rätsels Lösung. Vielleicht magst Du dem selbst kurz nachspüren: Ist ein verweiblichter Mann, der die Verbindung zu seiner maskulinen Essenz verloren hat, in Deinem Sinne? Ich behaupte, dass eine reife, selbst-bewusste Frau, die mit ihrer femininen Natur verbunden ist, eine geerdete, starke und in sich zentrierte Männlichkeit über die Maßen schätzt. Als sicheren und vertrauensvollen Rahmen, um sich in ihrer Weiblichkeit authentisch entfalten zu können. Ich folge hier den Worten von Robert Moore: 

„In der gegenwärtigen Krise der Männlichkeit brauchen wir nicht weniger maskuline Stärke. Wir brauchen mehr davon. Aber wir brauchen mehr gereifte Männlichkeit. Wir brauchen mehr Mann-Bewusstsein.

Ein praktisches Verständnis und ein tragfähiges Gerüst, das die Integration der zarten und emotionalen Seiten des Mannes würdigt, ohne dabei seinen maskulinen Kern mit seinen wunderbaren Gaben zu denunzieren. Es ist ein Weg, der Männer mit ihren Herzen verbindet, ihr Bewusstsein weitet und emotionale Tiefe ermöglicht.

Bauen wir auf diesem Fundament auf, dann läuft die Stärkung der Männlichkeit dem Female Empowerment nicht mehr zuwider, sondern geht mit ihr Hand in Hand.

 

Denn ein selbstbewusster, integrierter Mann in seiner wahren Kraft

  • muss andere nicht dominieren, um seine Stärke unter Beweis zu stellen
  • muss andere nicht klein machen, um größer zu wirken
  • weiß um seinen Wert und macht ihn nicht von äußeren Faktoren abhängig
  • muss nicht nach endlosem materiellen Erfolg streben, um sich als bedeutsam wahrzunehmen
  • weiß, wofür er steht und bringt Kriegernatur, Mut und Stärke auf, um dafür einzustehen
  • hat eine Richtung im Leben, folgt einer Bestimmung und einem Daseinszweck, der etwas Größerem dient als sich selbst
  • er hält Integrität, hat sowohl Rückgrat als auch eine Verbindung zu seinem Herzen
  • fühlt sich verbunden mit seiner maskulinen Essenz, nährt aber auch selbstbewusst seine femininen Qualitäten

Ein solches Verständnis von Mann Sein kann unheimlich Mut machen, sich mit seinen Schatten und inneren Dämonen auseinanderzusetzen, eine Beziehung zu seinen Emotionen aufzubauen, Selbstsabotage zu beenden und die Versuchung, sich ständig zu betäuben und vor der eigenen Lebendigkeit davonzulaufen, an der Wurzel zu lösen.

Seit ich mich auf die Coaching- und Retreat-Arbeit mit Männern spezialisiert habe, bekomme ich insbesondere von Frauen immer wieder das Feedback, wie wichtig und wertvoll sie diese Arbeit erachten. Frauen haben Männern naturgemäß einiges voraus, wenn es um Bewusstseinsarbeit, die Verbindung zu ihrer spirituellen Essenz und zur Natur geht. Die monatlichen Zyklen, eng verwoben mit den Mondphasen, den Jahreszeiten und dem heiligen Rhythmus der Natur. Eine intime Verbindung zu Emotionen, Intuition und ihrem Körper, der Kinder gebärt. Man könnte auch sagen: ein Portal in die Unendlichkeit, das Seelen die Ankunft in einem menschlichen Körper ermöglicht.

Wir Männer tun gut daran, uns von Frauen auf unseren inneren Reisen inspirieren zu lassen

Ihre Anbindung an die Quelle zu würdigen und uns in dem Spiegel anzuschauen, den sie uns vorhalten. Gleichzeitig gilt es anzuerkennen, dass auch wir Männer den Samen des Göttlichen in uns bewegen. Dass wir ein ebenso wichtiger Teil des Ganzen sind und Potenziale in uns tragen, die – wenn wir einen Zugang zu ihnen finden – allen zugute kommen. Maskuline Stärke kann dann den Raum halten für das Feminine, kann dem verspielten Lauf des Lebens eine Struktur geben, kann Frauen in der Führung würdigen und schätzen, ohne sich was beweisen zu müssen. Kann Kontrolle und Unterdrückung hintanstellen, kann leben und leben lassen und dem herrlichen Chaos femininer Energie erlauben, die Welt mit Liebe und Fürsorge zu füllen.

Wie können Frauen ihre Männer unterstützen?

Immer wieder stellen Frauen mir die Frage: „Wie kann ich meinen Mann, meinen Partner, meinen Freund oder meinen Bruder dabei unterstützen auf dieser Reise zu sich selbst?“ Dafür habe ich kein Patentrezept. Zu individuell sind die Ausgangssituationen, zu spezifisch die Charakteristika. Aber ganz allgemein gesprochen: Ein Hauptproblem von uns Männern ist, dass wir zu viel im Kopf wohnen und zu wenig im Körper. Wir (zer-)denken, analysieren, erklären, wollen verstehen mit unserer maskulinen Ratio. Viele Männer haben all die Bücher gelesen, Yogaklassen besucht, meditieren, womöglich täglich – und haben trotzdem das Gefühl, festzustecken. Sie stecken im Kopf fest, haben zwar alles verstanden, aber woran es oft fehlt, ist die verkörperte Erfahrung.

Vom Kopf in den Körper

Wenn Du deinem Mann solche Erfahrungen ermöglichen kannst, dann wird das was in ihm bewirken. Er beginnt, sich zu spüren. In dem Maße, in dem dies geschieht, öffnet er sich für mehr. Mir erscheint hier wichtig zu erwähnen, dass Respekt und Wertschätzung auch für uns Männer eine extrem wichtige Währung ist. Jeden Schritt zu würdigen, einen Raum zu öffnen, in dem Dein Mann von Dir in seiner Entwicklung gesehen wird, hilft ihm dabei, die Früchte seiner Arbeit zu erkennen. Das motiviert. Vor allem Männer.

Gleichzeitig bin ich der Meinung, dass eine gewisse innere Arbeit in gleichgeschlechtlichen Kreisen passieren sollte. Wirf einen Blick in das soziale Umfeld Deines Partners oder Freundes. Hat er andere Männer, mit denen er sich auf tiefgründiger Ebene austauschen kann? Wenn nicht, vielleicht kennst Du welche und kannst sie einander vorstellen? Ermutige ihn, sich einem Männerkreis anzuschließen oder selbst einen zu gründen. Oder ein Männer-Retreat zu besuchen. Denn es braucht viel Selbstbewusstsein für einen Mann, um regelmäßig in eine Yogaklasse zu gehen, in der außer ihm nur Frauen sind. Sich selbst auf tieferer Ebene mit Brüdern zu erfahren, mit soliden, bewussten Männern auf seiner Wellenlänge, ist eine völlig andere Kategorie.

Diese Arbeit nährt eine Vision

Integrierte, geerdete Männer in ihrer maskulinen Reife und selbstbewusste Frauen in ihrer wunderschönen Weiblichkeit unterstützen einander, heben einander gegenseitig empor. Die heiligen Unterschiede und Besonderheiten des Mann- und Frau-Seins ehrend und wahrend. Im Einklang mit der Natur. Auf Augenhöhe, mit offenem Herzen und einem ganzheitlichen Bewusstsein für Leben und Lebendigkeit.

Wie klingt das für Dich?

 

Der Autor

JAKOB HORVAT

Männer-Coach | Meditationslehrer | Speaker | Autor
jakob-horvath

Der ehem. Fernsehjournalist Jakob Horvat ist Männer-Coach, Meditationslehrer und Autor von

Weltnah. Am 7. März 2024 startet sein speziell für Männer entwickeltes Coaching-Programm RESONANZ. Ein Self-Leadership-Training, in dem Männer mehr Kompetenz für reifes, modernes und selbstbewusstes Mann Sein entwickeln können.

Im August 2024 leitet Jakob gemeinsam mit Yoga- und Meditationslehrer Florian Palzinsky das 5-tägige

MANN SEIN Retreat im Burgenland, das Männer in Ritual, Selbsterfahrung und Gemeinschaft zurück zu ihrer Natur führt.

Und ganz im Zeichen von authentischer Begegnung zwischen mann und Frau stehen 4 Tage im Rahmen des GEMEINSAM Retreatsdas Jakob gemeinsam mit Yogalehrerin Victoria Fand im Juli 2024 veranstaltet.

Mehr Infos zu Retreats, Coachings, Männerarbeit, Blog und Podcast unter:

www.jakobhorvat.com