Rethink the Unknown – ein neuer Zugang zur Ungewissheit

Immer wieder werden die Worte Ungewissheit und Unsicherheit in einen Topf geworfen. Sie gehören auch irgendwie zusammen – aber irgendwie auch eben nicht.

Ungewissheit ist ein Zustand. Ein Zustand des Nicht-Wissens. Das meiste in unserem Leben ist ungewiss: Was bringt der Tag heute noch? Wie wird das Wetter im nächsten Urlaub? Werde ich im neuen Job glücklich? Wie wird sich die Wirtschaft entwickeln? Man kann Vorausahnungen haben, weil man Faktoren miteinander verbindet, aber ungewiss bleibt sie dennoch – die Zukunft.

Unsicherheit dagegen ist ein Gefühl. Wenn wir uns unsicher fühlen, geht das meist mit Angst einher und das macht es unangenehm. Auch wenn die wirtschaftliche Lage immer ungewiss ist, muss sie nicht zwangsläufig unsicher machen. Unsicher macht sie, wenn man Angst hat, dass das Geld nicht ausreicht. Oder sich sorgt, ob man genug Aufträge bekommt, Mitarbeiter entlassen muss, eine Verhandlung ansteht, bei der man nicht weiß, ob man genug vorbereitet ist.

Wenn Du Dir jetzt sagst: Das klingt ja gut und schön. Aber wie kann ich mich in ungewissen Zeiten sicher fühlen, Sicherheit ausstrahlen oder einfach nur lernen, offen zu bleiben?

Lass es mich so beantworten: In ungewissen Zeiten, die Dich unsicher machen können, ist die Steigerung der eigenen Ungewissheitstoleranz das Um und Auf. Ein Satz, der für mich zum Mantra geworden ist: „Wenn nichts sicher ist, ist alles möglich.“ Der Umgang mit dem Unbekannten bestimmt unsere Ungewissheitstoleranz. Das Gute: Man kann sie steigern.

Das erwartet Dich in diesem Artikel: 

Auf Neues einlassen

Wir kennen das alle, seit Kindesbeinen an: Wir bewegen uns auf Neues zu, mal neugierig und selbstbewusst, mal mit etwas Scheu.

Was braucht es, um sich auf das Neue einzulassen, ohne zu wissen, was es ist? Bei einer Entscheidung nicht ewig zu hadern? Die eigene Kreativität anzukurbeln und den Raum zwischen dem Ist und dem Soll nicht nur auszuhalten, sondern zu füllen?

Oder anders gesagt: Wenn Ungewissheit die einzige Gewissheit ist – wie schaffe ich es, dass ich Veränderung nicht nur als nötig für mein Business sehe, sondern dass Veränderung Teil meines Business wird?

Ich bin überzeugt, dass unser Umgang mit Neuem und Ungewissen in einer immer komplexer werdenden Umgebung die zentrale Kompetenz ist. Ungewissheit fordert Mut, Vertrauen, geistige Beweglichkeit und Neugier.

Was ich damit meine?

  • Mut, Neues auszuprobieren und Altes hinter sich zu lassen. Den Mut sich selbst zu hinterfragen und zu reflektieren. Und damit meine ich nicht zu kritisieren, sondern positiv zu spekulieren.
  • Vertrauen, um sich und seinen MitarbeiterInnen und KollegInnen auch mal zu sagen: „Ich weiß es nicht“, „es ist zu viel“ oder „lasst uns gemeinsam daran arbeiten“. Durch Kooperation entsteht Neues und kooperieren tun Menschen nur, wenn sie einander vertrauen.
  • Geistige Beweglichkeit: Die gute Nachricht ist, dass unser Gehirn wie ein Muskel funktioniert, den man trainieren kann. Und diese Neuroplastizität kann man täglich üben. Indem man einen anderen Weg zur Arbeit wählt, sich mit der anderen Hand die Zähne putzt oder einfach nur dem Gedankenexperiment nachgeht: Für was kann ich eine Kaffeetasse noch alles verwenden? Als Stifthalter, um eine Spinne zu entfernen, einen Kreis zu zeichnen oder als Türstopper. Das mag jetzt komisch klingen. Aber genauso übst Du, in Möglichkeiten zu denken.
  • Neugier – wie Christoph Kolumbus Indien entdecken zu wollen und dann in Amerika zu landen. Das nennt man im Fachjargon übrigens „Serendipity“, also einen glücklichen Zufall. Sich selbst neu zu entdecken, der Welt täglich mit Neugier zu begegnen, sich auf Menschen, deren Glaubensätze sich von den eigenen unterscheiden, einzulassen – das nenne ich einen glücklichen Zufall.

Hast Du Lust auf Ungewissheit bekommen? Damit Du in Zukunft anstelle der Angst vor der Angst die Freude vor der Freude, also die Vorfreude, empfindest.

Steigerung der eigenen Ungewissheitstoleranz

Ziehen Menschen Gewissheit wirklich der Ungewissheit vor? Wünschen wir uns eine verlässliche Welt, ganz ohne unvorhersehbare Risiken?

Jein.

Stell Dir Verlieben ohne Ungewissheit vor. Ein Fußballspiel. Oder Handeln an der Börse. Die Ungewissheit hat definitiv ihren Reiz. Für einige mehr, für andere weniger. Aber trotzdem würden viele von uns gerne mehr Gewissheit im Leben haben.

Auch wenn die einzige Gewissheit ist, dass das Leben ungewiss ist, kann man seine eigene Ungewissheitstoleranz steigern. Die Fähigkeit, sich mit dem Ungewissen zu arrangieren, schafft Sicherheit. Man empfindet ungewisse Umstände als weniger bedrohlich, kann sich schneller auf neue Situationen einlassen und die eigene Kreativität besser nutzen.

Doch wie schaffst Du es, Deine Ungewissheitstoleranz zu steigern? Hier ein paar Ideen, die Du in Deinen Alltag integrieren kannst:

  • Gehe weicher mit Deinen eigenen Zielen um und rücke gelegentlich vom eigenen Wollen ab, das verändert auch das Erleben des Ungewissen. (Gerne von Placebo und ihrem Song “Protect Me From What I Want” inspirieren lassen.)
  • Einfach mal etwas Zweckfreies machen. Ohne Druck und Erwartungen (absichtslos) erkennst Du Dinge neu oder vielleicht auch zum ersten Mal – ob bei einem ziellosen Spaziergang (flanieren), wenn wir unserem Gegenüber ohne Erwartungen einfach zuhören oder auf einer Parkbank die Gedanken schweifen lassen.
  • Ergebnisoffen bleiben – denk doch mal an Deine berührendsten Erlebnisse: Waren sie geplant? Der besondere Mensch, dem du begegnet bist, der magische Ort, den Du ganz in der Nähe Deines Zuhauses entdeckt hast, der plötzliche Wetterumschwung, eine unerwartete Begegnung…
  • Dankbarkeit – werde Dir bewusst, was alles gut läuft und was schön ist in Deinem Leben. Das setzt solche Dinge in Relation, die außerhalb Deines Einflussbereichs liegen.
  • Achtsamkeit – „Was will ich gerade?“ Lausche in Dich hinein, mehrmals am Tag. Werde Dir Deiner Bedürfnisse bewusst.

Über die Autorin

KATHARINA BAIER

Führungskräftetrainerin | Coachin | FH-Lektorin | Körpertherapeutin | Podcast-Host
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Als Optimistin bin ich davon überzeugt, dass wir gemeinsam mehr schaffen als allein – mit einer Haltung der Selbstverantwortung und Neugierde aufeinander. Das schafft Handlungsmöglichkeiten und Räume, die vorher nicht denkbar waren.

 

Erfahre mehr über Katharinas inspirierende Arbeit: 

https://www.katharinabaier.at