Mein Weg in die Naturwissenschaft

Zum Diplomstudium Geografie bin ich eher zufällig gekommen, da ich zuerst Englisch und Geografie auf Lehramt studieren wollte. Dieses Berufsbild kannte ich und es war mir vertraut. Was jedoch Geografinnen machen, wusste ich nicht so genau. Während des Studiums habe ich mich immer mehr mit den Auswirkungen menschlichen Handelns auf unsere Umwelt beschäftigt. 

Ich war fasziniert davon, diese genauer zu erforschen, die Messwerte im zeitlichen Verlauf zu beobachten, zu rekonstruieren und statistisch auszuwerten, um letztlich festmachen zu können, welchen Einfluss wir auf die Natur – unsere Lebensgrundlage – haben. Somit habe ich auch recht bald vom Lehramts- aufs Diplomstudium gewechselt. In meiner zweifach ausgezeichneten Diplomarbeit habe ich mich mit den „Auswirkungen von Klimaänderungen auf das Einzugsgebiet der Wiener Hochquellenleitungen“ beschäftigt und bin heute noch begeistert im Bereich der Wasserwirtschaft tätig.

Das erwartet Dich in diesem Artikel: 

Wissen weitergeben

Was ich auch gerne mache: mein Wissen teilen und andere Menschen für die unglaublich spannende Arbeit im Bereich der Grundwasserwirtschaft sowie Umwelt- und Klimaschutz zu begeistern. Besonders die Wissensvermittlung an Kinder halte ich für grundlegend, weil sich in Zukunft viele Umweltkrisen wie die Klimakrise, der Biodiversitätsverlust und die Verschmutzung der Umwelt mit persistenten Schadstoffen verstärken können, wenn wir nicht ausreichend ins Handeln kommen.

Für das Verständnis der Herausforderungen braucht es eine solide Wissensbasis, die bereits bei jungen Kindern wichtig ist. Daher habe ich auch das besondere Kinderbuch „Wally & Deanna’s Groundwater Adventure“ übersetzt. Bei verschiedenen Grundwasserworkshops für Kinder (z.B. bei den Girls‘ Days) zeige ich immer wieder, woher unser Trinkwasser in Österreich kommt, wie der Wasserkreislauf funktioniert oder ob man mit freiem Auge erkennen kann, welches Wasser Trinkwasser ist.

Frauen in Naturwissenschaft und Technik

Seit mittlerweile 3 Jahren bin ich neben meiner Arbeit als Fachexpertin für Grundwasser auch Diversity- und Gleichbehandlungsbeauftragte im Umweltbundesamt. Anfangs dachte ich, dass diese Arbeit ein ganz anderer Bereich ist, den ich vollkommen getrennt von der fachlichen Arbeit betrachte. Mehr und mehr wurde mir aber klar, wie wichtig es ist, diese Bereiche miteinander zu verbinden bzw. wie stark die Facharbeit von dem Diversitybereich profitiert. Vielfältige Sichtweisen führen zu besseren Ergebnissen, zu Innovation und kreativen Lösungsansätzen.

Die echte Beteiligung von Frauen in allen Lebens- und Arbeitsbereichen sollte ohnehin eine Selbstverständlichkeit sein, da wir Frauen auch die Hälfte der Menschen sind. Dazu kommt, dass jene Bereiche, die traditionell männerdominiert sind, ganz besonders von anderen Blickwinkeln profitieren. Studien über Studien belegen, dass diverse Sichtweisen zu besseren Ergebnissen führen. Multi-Modell-Ansätze haben längst Einzug in die Wissenschaft gefunden, da unterschiedliche Modelle verschiedene Vorzüge haben und somit das Ergebnis verbessern. Ähnlich funktioniert es auch, wenn Menschen mit den diversesten Lebens- und Sichtweisen miteinander arbeiten.

Untersuchungen belegen, dass Frauen in umweltpolitischen Entscheidungsprozessen ehrgeizigere Klimaziele und -maßnahmen umsetzen und Umwelt- und Sozialfragen einschließlich Klima und Nachhaltigkeit durchwegs Priorität einräumen.

Frauen als Teil der Lösung

Um den multiplen Umweltkrisen zu begegnen ist die Gleichstellung der Geschlechter ein entscheidender Faktor. Derzeit sind im Konzept der planetaren Grenzen, das die Grenzen eines intakten Ökosystems beschreibt, bereits 6 von 9 Grenzen überschritten. Im neuen Bericht des Club of Rome wird die Ermächtigung von Frauen als einer von 5 großen Hebeln erwähnt, der dazu beiträgt einen lebenswerten Planeten zu erhalten. 

Vor allem den Fähigkeiten von Müttern wurde bisher noch zu wenig Beachtung geschenkt. Daher wünsche ich mir, dass die naturwissenschaftlichen und technischen Bereiche bunter werden – dass Strukturen geschaffen werden, die eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. 

Warum? In einer Zeit, in der wir multiplen Krisen gegenüberstehen, brauchen wir neue Herangehensweisen und neue Lösungen. Frauen bringen im Umweltbereich neue Sichtweisen mit und schaffen es, durch ihre vielseitigen Stärken die Wissenschaft in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu bringen. 

Auf einen Blick – 5 Statements von Christina

  • Für das Verständnis der Herausforderungen braucht es eine solide Wissensbasis, die bereits bei jungen Kindern wichtig ist.
  • Vielfältige Sichtweisen führen zu besseren Ergebnissen, zu Innovation und kreativen Lösungsansätzen.
  • Bereiche, die traditionell männerdominiert sind, profitieren ganz besonders von anderen Blickwinkeln.
  • Um den multiplen Umweltkrisen zu begegnen ist die Gleichstellung der Geschlechter ein entscheidender Faktor.
  • Ich wünsche mir, dass die naturwissenschaftlichen und technischen Bereiche bunter werden – dass Strukturen geschaffen werden, die eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen.

Über die Autorin

CHRISTINA FORMANEK

groundwater | diversity&equity | environment agency austria
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GROUNDWATER | DIVERSITY&EQUITY | ENVIRONMENT AGENCY AUSTRIA

Christina Formanek ist begeisterte Wissenschaftlerin, Verfasserin einer zweifach ausgezeichneten Diplomarbeit zum Thema „Auswirkungen von Klimaänderungen auf das Einzugsgebiet der Wiener Hochquellleitungen“ und übersetze das Kinderbuch „Wally & Deanna´s Groundwater Adventure“, da ihr neben der Wissenschaft auch die Kinder und deren Verständnis für das Thema „Wasser“ sehr am Herz liegen.

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