Joblust statt Jobfrust – wie Du wieder mehr Freude und Erfüllung im Job findest

Seit einigen Monaten klagt meine Freundin regelmäßig darüber, wie unglücklich sie in ihrem Job ist. Die Tätigkeiten an sich machen ihr keine Freude mehr, sie geht nicht mehr motiviert und erfüllt zur Arbeit. Hinzu kommen erschwerte Arbeitsbedingungen aufgrund von personellen Engpässen, zusätzliche Aufgaben wie Einschulungen neuer Teammitglieder und nur sehr langsam voranschreitende dringend notwendige Umstrukturierungen. Sie fühlt sich häufig erschöpft und nahezu jeden Tag frustriert.

Kennst Du dieses Gefühl? Dann bist Du definitiv nicht allein. Laut einer aktuellen Studie ist die allgemeine Motivation im Job auf einen Tiefstand gesunken – jedeR Dritte mache nur noch „Dienst nach Vorschrift“. Wie aber können wir das ändern?

Das erwartet Dich in diesem Artikel:

Schritt für Schritt zu mehr Zufriedenheit im Job

„Na, dann such Dir doch einen neuen Job!“ Diese Aussage begegnet Menschen, die unzufrieden im Job sind, häufig. So wie meine Freundin stehen aber viele ArbeitnehmerInnen vor der Herausforderung, dass sie nicht so ohne weiteres einen Jobwechsel vornehmen können. Meine Freundin ist alleinerziehend und arbeitet schon seit 2 Jahrzehnten für den gleichen Arbeitgeber. Entsprechend attraktiv ist mittlerweile ihr Gehalt und sie hat sich ein gewisses Standing erarbeitet. Obwohl sie dort unglücklich ist und ihr die aktuelle Jobsituation viel Energie raubt, zögert sie, über einen Jobwechsel nachzudenken.

Ist ein Jobwechsel wirklich die beste und einzige Lösung?

Nein, oft ist sie das nicht. In meinen Coachings betrachten wir diese Frage daher immer sehr genau. Ich wende dabei gerne das „Love it – change it – or leave it”-Prinzip an. Es ist unkompliziert und sehr effektiv. Und ich möchte es im Folgenden mit Dir teilen:

Schritt 1: Love it

Zuerst stellst Du Dir die Frage: Was an Deiner aktuellen Situation ist gut, was erlebst Du als positiv und was sind die Vorzüge? Um sich aus einem Jobtief zu holen, reicht es manchmal aus, sich die positiven Aspekte wieder bewusst zu machen. Wenn sich Deine Sichtweise dadurch nicht verändert, überlege Dir, wie Du die Vorteile Deiner Situation noch verstärken kannst.

Beispiel 1: Du genießt flexible Arbeitszeiten und hast die Option, im Homeoffice zu arbeiten. Gibt es Möglichkeiten, diese besser für Dich zu nutzen, damit Du Deinen Alltag noch wesensgerechter und beispielsweise besser auf Dein Familienleben abgestimmt gestalten kannst? Benötigst Du mehr Freizeit, um Deinen Hobbys und Interessen nachgehen zu können? Vielleicht kannst Du auf eine 4-Tage-Woche umstellen mit 36 statt 40 Wochenstunden.

So agierst Du proaktiv und übernimmst Verantwortung für Deine Situation.

Beispiel 2: Du magst und schätzt Deine KollegInnen sehr, tauschst Dich gerne mit ihnen aus. Nimm Dir bewusst jeden Tag Zeit für Socializing. Verabrede Dich mit KollegInnen zu einem Kaffee- bzw. Teeplausch oder zum gemeinsamen Mittagessen, um Dich bei diesen Gelegenheiten energetisch positiv aufzuladen.

Schritt 2: Change it

Ergänzend zu Schritt 1 empfehle ich immer auch Schritt 2. Überlege Dir, was Du an Deiner aktuellen Jobsituation noch verbessern kannst. Hand aufs Herz: Wie oft jammern wir über belastende Umstände oder schlechte Arbeitsbedingungen, schöpfen jedoch nicht unseren vollen Handlungsspielraum aus, um Änderungen herbeizuführen? Da ist also noch viel Optimierungspotenzial vorhanden, das Du jetzt bewusst nutzen kannst.

Beispiel 1: Es kostet Dich unglaublich viel Energie, dass Du ständig von KollegInnen bei Deiner konzentrierten Arbeit unterbrochen wirst. Da Du Deine KollegInnen gerne unterstützt und Dich mit ihnen austauschst, die Erfüllung Deiner eigenen Aufgaben jedoch nicht unter Deiner Hilfsbereitschaft leiden sollen, könntest Du klare „Sprechstundenzeiten“ für Deine KollegInnen definieren: Sie wissen, dass sie Dich vor 10 Uhr nicht ansprechen brauchen, weil Du da konzentriert an Deinen wichtigsten Aufgaben des Tages arbeitest und Deinen Tag strukturierst. Oder Du stellst ein Stopp-Schild auf, wann immer Du nicht angesprochen werden möchtest. Und ein „Gerne für Dich da“-Schild, wenn Du offen bist für Fragen Deiner KollegInnen.

Beispiel 2: Du schulst neben Deiner normalen Tätigkeit auch noch neue MitarbeiterInnen ein. Damit dies nicht zu einer zusätzlichen Dauerbelastung wird, vereinbarst Du mit Deiner Führungskraft, dass Du während der Einschulungszeit nicht über die Telefonanlage von KundInnen erreichbar bist. So kannst Du Dich auf das Onboarding konzentrieren und hast sonst nur Deine eigenen Aufgaben abzuarbeiten.

Beispiel 3: Die Tätigkeiten in Deinem Job sind zu einer langweiligen Routine geworden und Du fühlst Dich unterfordert. Sprich mit Deiner Führungskraft über die Möglichkeit, an Projekten im Unternehmen mitzuwirken, die über Dein aktuelles Arbeitsfeld hinausgehen. Oder überlege Dir, über welche Weiterbildungsmaßnahmen Du Deinen Job aufwerten und somit wieder interessanter gestalten könntest.

Schritt 3: Leave it

Wenn Du trotz der Maßnahmen aus Schritt 1 und 2 immer noch unzufrieden mit Deinem Job bist, erscheint ein Jobwechsel immer sinnvoller. Diese Denkanstöße möchte ich Dir vor Deiner endgültigen Entscheidung gerne noch mitgeben:

  • Wenn Du Deinen Job und auch Dein Arbeitsumfeld änderst, bleibt ein Faktor dennoch immer gleich: Du. Es lohnt sich daher, etwas tiefer in Dich hineinzuhorchen, was die tatsächlichen Ursachen für Deinen Frust und Deine Unzufriedenheit sind. Denn wenn diese gar nicht in den Rahmenbedingungen im Außen begründet liegen, sind auch Änderungen im Außen nicht nachhaltig.
  • Betrachte neben dem, was Du im Außen als unangenehm oder belastend erlebst, immer auch Dein inneres Wertesystem: Was ist Dir als Mensch im Leben wichtig? Welche Werte geben den Entscheidungen in Deinem Leben Orientierung? Lebst und arbeitest Du aktuell gemäß Deinen Werten? Wenn nicht – wie sieht für Dich ein wertekonformes Arbeiten und Leben aus?

Mit den Antworten auf diese beiden Fragen wird es Dir leichter fallen, einzuschätzen, ob ein Jobwechsel wirklich die beste Lösung für Dich ist. Wir leben (leider) in einer Wegwerfgesellschaft, in der wir es gewohnt sind, schnell und unmittelbar unsere Bedürfnisse befriedigen zu können. Das wirkt sich auch auf unsere Beziehungskompetenz aus. Wir sind heute oft viel ungeduldiger und geben schneller auf, wenn es mal nicht so rund läuft in einer Beziehung. So auch in unseren beruflichen Beziehungen.

Ich möchte Dich mit dieser 3-Schritte-Übung dazu anregen, an dem bereits Etablierten, Aufgebauten zu arbeiten und diese Faktoren weiterzuentwickeln (sofern möglich), bevor Du alles hinschmeißt und Dein Glück auf einer neuen Insel suchst. So verhinderst Du den Frust, der entsteht, wenn Du nach einem Jobwechsel die Erkenntnis haben solltest, dass Deine Unzufriedenheit nicht weniger geworden oder nach einem kurzen Hoch wiedergekehrt ist.  Und manchmal ist es einfacher und befruchtender, wenn man sich bei so wichtigen Lebensentscheidungen begleiten lässt.

Über die Autorin

Susanne Salomon

Burnout Begleitung & Prävention
Susanne
Fotocredit: Susanne Salomon

Die Expertin für Burnout begleitet sowohl Einzelpersonen als auch Teams. Sie unterstützt ihre KlientInnen bei Fragen rund um berufliche Neuausrichtungen, individuelles Zeit- und Selbstmanagement u. v. m. Zudem hat sie ein eigenes Coaching-Programm mit dem Titel „Joblust statt Jobfrust“ entwickelt, das Dich in 6 Modulen auf dem Weg zu Deinem Traumjob begleitet.

Bei Interesse tausche Dich gerne mit Susanne aus: susanne@susannesalomon.com oder besuche ihre Website