Employer Branding & New Work: Alles nur Fassade?

Employer Branding und New Work – aktuell in aller Munde, auf zahlreichen Buch- und Magazin-Covern als Headline zu finden und auf vielen Veranstaltungen als Leitthemen angeführt. Die jeweiligen ExpertInnen schießen aus dem Boden. Auf LinkedIn und Co. findet sich täglich neuer Content, wie Unternehmen den vermeintlichen „War for Talents“ gewinnen und im Innen und Außen ein noch „coolerer Arbeitgeber“ werden. Dass der „Wuzeltisch“ und der gratis Obstkorb out sind, das haben mittlerweile wohl alle Unternehmen verstanden. Die Inserate sind gekürzt, bunt und kreativ, die Hierarchien flach und das Office remote.

Das erwartet Dich in diesem Artikel: 

Was zählt wirklich?

Für starkes Employer Branding wird jede Menge Budget in die Hand genommen: ExpertInnen und BeraterInnen geben sich die Klinke in die Hand und der Megatrend New Work bewegt Unternehmen unter anderem zu Millionen teuren Umbauten. Immer mehr Menschen und Unternehmen treten an, die Arbeitswelt zu optimieren.

Ein attraktives Branding im Innen und Außen sowie moderne und individuelle Prozesse, Rahmenbedingungen und Benefits wirken magnetisch auf potenzielle Teammitglieder. Doch was, wenn die Talente dann im Unternehmen sind? Was ist Dir persönlich als ArbeitnehmerIn oder auch als UnternehmerIn wichtig? Was hält Dich und was lässt Dich gehen?

Employee Experience Design

Mit „Employee Experience Design” hat ein weiteres Trendthema in die Unternehmen und Medien Einzug gehalten. Wie auch für KundInnen und Gäste – je nach Branche – wird die gesamte Reise von MitarbeiterInnen durch ein Unternehmen durchgeplant: Vom Erstkontakt mit der Brand über die Bewerbung und das Onboarding bis hin zu Bindung, Weiterbildung und Austritt. Es werden zeitgemäße und bestenfalls zum Unternehmen und der Marke passende Strukturen und Prozesse geschaffen, emotionalisiert und inszeniert. Warum verlassen dennoch immer wieder Talente Top Unternehmen? Warum hören und lesen wir Zitate wie „Nichts ist den jungen Leuten gut genug“, „Meine MitarbeiterInnen bekommen jede Menge Benefits und verlassen uns trotzdem“ oder „ArbeitnehmerInnen heutzutage sind undankbar“?

Wovon die „emotional touchpoints“ entlang der gesamten MitarbeiterInnen-Reise abhängen, sind die Menschen, welche die Prozesse kreieren, umsetzen oder erleben dürfen. Genau an dieser Stelle bröckelt aus meiner Erfahrung oft die Fassade und genau hier liegt auch die Chance, wirklich als Unternehmen zu überzeugen. Hältst du als UnternehmerIn die Versprechen, die Du potenziellen MitarbeiterInnen machst? Werden all die Prozesse, Rahmenbedingungen und Benefits auch wirklich so gelebt wie zuvor kommuniziert? Ist Deine Firmen- und Führungskultur so kreativ, bunt und modern wie Deine Stelleninserate und Eure neue BewerberInnen-Website?

Weil Menschen den Unterschied machen

In welchem Unternehmen hast Du Dich selbst am wohlsten gefühlt? Waren die ausschlaggebenden Faktoren die Brand hinter dem Unternehmen, die guten Rahmenbedingungen, Benefits – so vorhanden – und die positiven emotionalen Prozesse? In den meisten Fällen lautet die Antwort meiner KlientInnen: „Nein.“ Es waren und sind die Menschen, die den Unterschied machen. Allen voran die Führungskräfte, gefolgt vom Team und in manchen Fällen auch die KundInnen und Gäste.

Wir arbeiten mobil, agil, digital und remote. Hierarchien werden abgeschafft, Leadership wird „new“ und „positive“, alles wird an die neuen Generationen am Arbeitsmarkt angepasst und durch Work-Life-Blending wird dann aus Deinem Job auch gleich Dein Leben und bestenfalls Deine Mission oder Dein „Soul Business“. Spannende und teilweise wertvolle Entwicklungen aus meiner Sicht. Doch was bei all dem in Vergessenheit gerät, ist, dass wir diese Veränderungen zwar grundsätzlich für die Menschen initiieren und auf den Weg bringen, jedoch die Menschen hinter, an und vor den Prozessen oft vergessen.

Alle(s) im Wandel

Die genannten Themen und Trends machen – sorgfältig geplant und umgesetzt – unsere Arbeitswelt moderner, diverser und vielerorts auch wesentlich attraktiver. Das Fundament aber waren und sind die Menschen und diese dürfen bei derartigen (Change-)Prozessen nicht vergessen werden.

Wie bereit sind Deine Führungskräfte und Teams wirklich für dieses neue Arbeiten und Führen? Wie bereit bist Du?

Wenn wir Unternehmensstrukturen und vor allem auch Unternehmenskulturen positiv und langfristig wandeln wollen, bedarf es unbedingt der Einbindung und vor allem der Begleitung der agierenden Personen. Je aufgeräumter und ausgeglichener, je mehr mit sich selbst verbunden und im Reinen, je klarer und resilienter Führungskräfte und MitarbeiterInnen sind, desto besser werden auch Unternehmen reüssieren. Ein geerdeter Mensch kennt seine Grenzen, kommuniziert gut, löst Konflikte proaktiv, weiß, wo er/sie hinpasst und wohin vielleicht nicht, trifft Entscheidungen und sieht klar, wo und warum er/sie sich einbringen möchte und wo eben nicht.

Sollte nach dem Employer Branding & New Work Projekt (oder bestenfalls bereits vorab) Budget frei sein, empfehle ich, dieses in langfristige und fundierte Persönlichkeitsentwicklung und wirkungsvolles Resilienztraining für Führungskräfte und Teams zu investieren.

Please don’t fake it till you make it

Wenn Du Dein Unternehmen und Dein Team tatsächlich magnetischer, harmonischer und effizienter machen willst, fange heute noch bei Dir selbst an. Unterstütze auch Deine Führungskräfte und MitarbeiterInnen dabei. Nachhaltiger Wandel passiert von innen nach außen. In Menschen und Unternehmen. Was Employer Branding, New Work und Co. betrifft, empfehle ich daher: „Please don’t fake it till you make it.”

Über die Autorin

NINA BEYRL (BA MA)

Expertin für Employee Experience & Leadership
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Sie begleitet als Beraterin und Leadership CoachIn Unternehmen und Führungskräfte bei allen Facetten rund um das Thema Lebensqualität – am Arbeitsplatz und für jeden persönlich. Ihr Fokus ist stets, einen hohen Qualitätsanspruch mit Leichtigkeit, Humor und Freude zu vereinen. Ihr Motto: Ease. The essence of excellence.

Hier kannst Du mehr über Ninas Philosophie und ihre spannende Arbeit nachlesen:
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