Diese Zukunftskompetenzen wünschen sich Jugendliche im Lehrplan

Wir alle kennen diese eine Kinderfrage. Meist beginnt sie etwa im Alter von 3 Jahren. Die Frage ist kurz, genau genommen besteht sie nur aus einem einzigen Wort. Und trotzdem ist sie oft nicht einfach zu beantworten. Die Frage lautet: „Warum?“ Warum ist Wasser kalt? Warum leuchtet die Sonne gelb? Warum ist der Himmel blau?

Antworten wir auf diese Fragen, können wir uns gewiss sein, dass das nächste „Warum“ folgt. Gelassene und resiliente Mütter und Väter halten durch bis zum letzten Warum. Manchmal reicht die Geduld dann doch nicht und es bleibt nur der letzte Ausweg: „Weil es so ist“, da uns selbst keine Erklärung mehr dazu einfällt oder wir es schlichtweg nicht wissen. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, Dr. Google zu fragen – aber möchten wir Kindern schon in jungen Jahren vermitteln, dass das Mobiltelefon die Antwort auf alle Fragen hat? Gewiss nicht.

Im Alter von 6 bis 8 Jahren kommen dann andere Fragen auf uns zu: „Warum muss ich überhaupt in die Schule?“, „Wozu sind Hausaufgaben notwendig?“, „Muss ich die Verbesserungen wirklich machen?“. Es findet oft auch die erste Auseinandersetzung mit dem Tod statt und es kommen Fragen auf wie: „Muss jeder Mensch sterben?“ und „Was genau ist der Himmel?“. Die einen Fragen beantworten wir kinderleicht, die Fragen zum Tod sind für viele Menschen schwierig, denn auch Erwachsene setzen sich mit diesem Thema nur ungern auseinander.

Das erwartet Dich in diesem Artikel: 

Brennenden Fragen von Jugendlichen Raum geben

Bei den 12- bis 14-Jährigen tauchen plötzlich unerwartete Fragen und Aussagen auf. Die Tatsache, dass diese Fragen überhaupt gestellt werden, ist übrigens ein riesengroßes Zeichen für Vertrauen. Also bitte nicht völlig erschrocken reagieren und das Thema wechseln, sondern sicher sein, dass ziemlich vieles in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern glücklich gelaufen ist, denn sonst kämen diese Aussagen nicht zum Vorschein: „Ich bin oft traurig und weiß nicht warum.“ „Manchmal hab ich das Gefühl, ich möchte weinen und kann nicht.“ „Ich habe das Gefühl, ich passe nirgends dazu. Keiner mag mich. Ich kann nichts.“

Puh, das sind schon Fragen bzw. Aussagen eines anderen Kalibers. Was jetzt? Was tun? Das Kind gleich zum Psychologen oder zur Psychologin schicken? Die nächste Anlaufstelle anrufen oder einfach nicht auf das Thema eingehen? Vielleicht alles kleinreden und damit die Welt des Kindes besser machen?

Die Lösung: Jene Reaktion, die gerade für fürsorgliche Eltern so schwer ist – es aushalten. Den Kindern Zeit schenken. Alles, was sonst gerade dran ist und sein „muss“, liegen und stehen lassen und es wertschätzen, dass die Teenager mit diesen Herausforderungen auf uns zukommen. Als Antwort reicht ein einfaches: „Weißt du, es ist okay, manchmal ohne Grund traurig zu sein.“

Und es ist auch okay, ohne Grund weinen zu wollen und es nicht zu können. Wahrscheinlich ist es uns selbst auch einmal so ergangen, das heißt wir können diese Gefühle nicht nur nachvollziehen, sondern haben sie selbst erlebt. Was jetzt angesagt ist: radikale Ehrlichkeit. Am besten eine Geschichte aus eigenen Erfahrungen erzählen.

Auf die Frage: „Und was soll ich jetzt machen?“ könnte eine Antwort sein: „Akzeptieren, dass es da ist. Das Traurigsein zulassen, es ist wichtig. Die Gefühle wollen gelebt werden.“

Sobald sich unsere Teenager besser fühlen, können wir eine Aktivität vorschlagen, die Freude bereitet – wie beispielsweise die Lieblingsmusik hören, zeichnen, lesen oder den Körper bewegen.

Meine Kinder, vor allem mein Sohn, stellt mir immer wieder herausfordernde Fragen wie: „Mama, warum lernen wir in der Schule so viele unnütze Dinge? Ich möchte viel lieber wissen, wie ich eine Partnerin finde oder wie ich meine Ängste bewältige.“

Oh Wow. Darauf kann ich nur antworten: „Ja, das finde ich auch, es sollte Schulfächer dazu geben. Du hast recht, es ist nicht einfach, eine Partnerin oder einen Partner zu finden, die/der zu einem passt. Ängste zu überwinden ist auch ein großes Thema, das in der Schule leider nicht gelehrt wird.“

Zukunftskompetenzen, die Jugendliche brauchen

Wir alle wissen, das Schulsystem in Österreich stammt aus Maria-Theresia Zeiten. In der Zwischenzeit ist viel passiert. Die Welt hat sich weiterentwickelt und der Fortschritt schreitet mit Lichtgeschwindigkeit voran. Das Schulsystem hinkt stark hinterher.

Die psychosozialen Herausforderungen der Schülerinnen und Schüler werden immer größer, Lehrerinnen und Lehrer sind mit administrativen Aufgaben so sehr überfordert, dass sie kaum dazu kommen, ihrer Hauptaufgabe, dem Unterrichten, nachzukommen. Dazu kommt der Faktor, dass Kinder und Jugendliche durch Internet, Social Media und YouTube schon oft mehr über bestimmte Themen wissen als die LehrerInnen und Lehrer.

Daher braucht es in der Schule genau eines: die Schulung jener multiplen Intelligenzen nach Howard Gardner, die bis dato nicht bzw. wenig beachtet wurden:

  • Die Körperlich-kinästhetische-Intelligenz
  • Die Intrapersonelle Intelligenz => Selbstkompetenz
  • Die Interpersonelle Kompetenz => Sozialkompetenz
  • Naturalistische Intelligenz
  • Existenzielle „spirituelle“ Intelligenz

Dazu möchte ich gerne folgendes Zitat von Howard Gardner teilen:

„Es ist einfach – aber gefährlich – zu denken, dass sich Bildung in der Zukunft nur um Mathematik, Naturwissenschaften und Technologie kümmern soll – die Kraft der Globalisierung ist zu beachten, denn sie wird sehr viel verändern.“

Begabungen fördern mit den Formies

Um die Herausforderungen der Zukunft meistern zu können, ist es wichtig, dass wir lernen, flexibel auf Unerwartetes einzugehen, Chancen zu erkennen und anzunehmen. Einfühlsam zu kommunizieren, sich zu vertiefen und Expertenwissen aufzubauen. Besonders wichtig sind:

  • Kreativität
  • Respekt
  • Ethisches Denken und Handeln
  • Disziplin und die Fähigkeit, Wissen zu vernetzen

Um die oben genannten Eigenschaften zu lernen bzw. leben zu können ist es unausweichlich, sich selbst zu kennen und die eigenen inneren Anteile zu erforschen. Prof. Dr. Kathrin Köster hat dazu den ganzheitlichen Formies-Ansatz entwickelt.

Der Formies-Ansatz begreift den Menschen als Team – bestehend aus Verstand, Körper, Herz und dem inneren Beobachter (Four Me’s). Ziel ist es, dieses Team zu kennen und in eine harmonische Zusammenarbeit zu führen.

Diese Idee des Inner Leaderships wurde in Kinder- und Jugendsprache übersetzt und in einer Volksschule im 7. Bezirk als „FormiesJoyLAB“ pilotiert.

Es geht vor allem darum, Kinder in ihren Wurzeln zu stärken, Körperwahrnehmung zu schulen, Begabungen zu fördern, soziale Kompetenzen zu entwickeln und die Gefühle nicht nur wahrzunehmen, sondern auch anzunehmen und Tools zur Selbsthilfe in die Hand zu geben.

„Die Welt braucht keine neuen Programme, sondern eine neue Menschlichkeit.“

Viktor E. Frankl, österreichischer Neurologe und Psychiater (1905-1997)

Freude in Dingen zu spüren, die eigenen Stärken zu kennen und zu nutzen stehen beim „FormiesJoyLAB“ im Vordergrund. LehrerInnen erhalten die Möglichkeit, Kinder aus einer anderen Perspektive zu beobachten und werden dadurch entlastet.

Frische Impulse für die Zukunft

Im österreichischen Schulsystem gibt es bereits einige großartige Initiativen, wie z.B. die Wiener Bildungschancen, IFTE, Schule im Aufbruch, teachforAustria  und Sindbad , um nur einige zu nennen.

Ich persönlich bin der Meinung, eine psychosoziale Fachkraft für jede Klasse ist heute unbedingt notwendig. Lehrerinnen und Lehrer wurden dafür geschult, Kinder weiterzubilden, die Bewältigung von herausfordernden sozialen oder psychosozialen Situationen geht über die Kompetenz hinaus und kann nicht im alltäglichen Unterricht bewältigt werden.

Außerdem braucht es Zeit, bis das Schulsystem den richtigen Weg eingeschlagen hat. Und es braucht die Unterstützung von Eltern, um nicht nur die Fragen unserer Kinder zu beantworten, sondern den Kindern zu helfen, leichter mit Challenges zurecht zu kommen.

Das FomiesJoyLAB und die 1:1 Beratung für Kinder, Teenager, Eltern und LehrerInnen sind wertvolle Bausteine, die dazu entwickelt wurden, um Kinder in Ihren Wurzeln zu stärken und jene multiple Intelligenzen zu schulen, die es im 21. Jahrhundert braucht, um gut voranzukommen und die Welt gemeinsam zu einem besseren Ort zu machen.

Die Autorin

REGINE EITELBÖS

Dipl. psychosoziale Beraterin nach Viktor E. Frankl | Life and Career Companion | Lebens- und Sozialberaterin
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Fotos: Regine Eitelbös

Regine, die Ermutigerin ist diplomierte psychosoziale Beraterin nach Viktor E. Frankl und berät und begleitet LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern in herausfordernden Situationen. Melde Dich gerne, wenn Du denkst, dies ist genau das Richtige für Deine Kinder, Deine LehrerIn oder Deine Schule.

Erfahre hier mehr über Regines inspirierende Arbeit

Tipp: Gemeinsam mit Yvonne Poul wurde außerdem der gemeinnützigen Verein MADITA gegründet, der sich für die Vernetzung von Frauen und die Förderung von Frauenrechten einsetzt. Das nächste Event, der Circle of Joy, bei dem 200 Frauen zusammenkommen, um für die Frauen der Welt zu singen, die gerade nicht ihre Meinung äußern können, findet am 7. März um 18 Uhr im Studio Moliére in Wienstatt. Ein paar wenige Plätze sind noch verfügbar.