Die elegante Kunst des Schweigens

Pantomime bedeutet alles nachzuahmen – ohne das gesprochene Wort. Warum ist die Pantomime in Österreich oft mit Antisympathie behaftet? Weil wir ÖsterreicherInnen gerne „das letzte Wort“ haben, d.h. es fällt uns schwer zu schweigen und ein Argument im Raum stehen zu lassen. Mit dieser Behauptung, auf deren Widerlegung ich mich freue und sehr offen bin für weiteren Diskurs, beginne ich mein kurzes Essay über die Kunst des eleganten Schweigens und die Förderung von Frauen in der darstellenden Kunst.

Das erwartet Dich in diesem Artikel:

Die tschechische Liebe zur Pantomime

Meine Ausbildung zur Schauspielerin für nonverbales und komödiantisches Theater durfte ich in Prag an der Akademie der musischen Künste (Akademie múzických umění) der Leitung von Prof. Boris Hybner absolvieren. In Tschechien war (und ist noch immer!) die Pantomime eine beliebte theatrale Ausdrucksform, die während des kommunistischen Regimes „legitim“ war, da etwaige Andeutungen gegen die politische Unterdrückung niemals konkret als Wort, sondern als verschlüsselte Botschaften mittels der Körpersprache zum Besten gegeben wurden.

Hinzu kommt das slawische Gefühl für das Zauberhafte. Wir alle kennen die wohlig warm inszenierten tschechischen Filmmärchen wie „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, die jedes Jahr zur Weihnachtszeit weltweit ausgestrahlt werden. Viele Prag-LiebhaberInnen schätzen auch das Schwarzlichttheater und die schönen Marionettentheater. Woher kommt die Liebe zum körperlichen Ausdruck in der slawischen Kultur?

Der Westen trachtet nach verkopftem Image, der Osten nach körperlicher Vitalität

Im kommunistischen Regime wurde besonders auf das Training des Körpers geachtet, da man sich sagte: Möge der Westen seine intellektuellen Ideologien verfolgen, wir, der Osten, üben uns in körperlicher Vitalität. Dies erklärt wohl auch, warum so auffällig viele ZirkusartistInnen, BalletttänzerInnen, GymnastInnen etc. aus dem slawischen bzw. der ehemaligen DDR entspringen. Jede Kleinstadt hatte ihr eigenes Ballettstudio und eine professionell eingerichtete Gymnastikhalle. Aus diesen Gründen entschied man wohl auch, einen Studiengang für Pantomime an der Akademie der musischen Künste zu eröffnen, die eine profunde Ausbildung in Körperbeherrschung, Körperästhetik und natürlich dem theatralen künstlerischen Ausdruck ermöglicht. Einzigartig daran ist, dass dieser Studiengang sogar mit dem Doktorat abgeschlossen werden kann.

Wie lange hältst Du mit Dir selbst in einem Raum in Stille aus?

Dies ist die Frage, die ich gerne meinen StudentInnen stelle. Sie ist fundamental, denn der körperliche Ausdruck ohne Worte braucht starke Nerven. Hat man nie in seinem Leben Stille „akzeptiert“ so ist diese Disziplin nicht nur physisch, sondern vor allem psychisch sehr anspruchsvoll. Um Gedanken in körperliche Bewegung umzusetzen, braucht es eines: Stille.

Förderung weiblicher Kunst

Ich beobachte seit Anbeginn meiner künstlerischen Karriere, dass Missgunst viele davon abhält weiterzumachen, da die scharfen Zungen von einigen KünstlerkollegInnen so einige talentierte junge Künstlerinnen davon abgehalten haben, ihren ganz persönlichen künstlerischen Weg zu gehen. Deshalb lege ich ein besonderes Augenmerk darauf, meine Studentinnen diesbezüglich zu sensibilisieren. Und wie geht man mit negativen Schwingungen um? Mit Chic, Charme und Humor. Nach dem Prinzip: „Schen, gscheit und gspassig“ versuche ich meinen Schülerinnen Mut zuzusprechen und Neider bzw. Neiderinnen „mitzunehmen“ – und das gelingt in komödiantischem Theater am besten.

Die Pantomime ist die Grundlage der Königsdisziplin „Clownerie“. Schafft es Frau also, ihren Körper der „künstlerischen Entfremdung“ hinzugeben, sprich in verschiedenste theatrale Rollen zu schlüpfen, so ist auch die schlecht gelaunteste Zuschauerin oder der schlecht gelaunteste Zuschauer im Publikum nicht mehr davor gefeit, ein Lachen auszustoßen. 😊

Über die Autorin

Dr. Nina Hlava

The World’s only Female Pantomime Solo Artist
nina-hlava-kl.height-1200.format-webp
Fotocredit: Dr. Nina Hlava

Mit 5 Jahren betrat sie das erste Mal eine Theaterbühne. Nach ihrem Studium in Prag, präsentierte Nina von 2002 bis 2016 ihre erfolgreichen pantomimischen Solo Shows in Österreich, Tschechien, Deutschland, Japan und den USA. 2012 zog sie nach Miami, wo sie die Privatschule „Pantomime Miami“ gründete. Hier war sie zudem als Professorin am Miami Dade College und an der University of Miami tätig. 2017 kehrte sie nach Österreich zurück und setzt seitdem ihre Lehrtätigkeiten in den Bereichen Pantomime, Körpersprache, Stepptanz und Motivation fort. Seit Juni 2019 leitet sie die Kunstakademie Heidenreichstein. Denn: „Fortbildung mit Genuss macht Freude von Kopf bis Fuß.“

Mehr über Ninas inspirierende Arbeit kannst Du hier erfahren:

https://ninahlava.com

https://www.kunst-hstein.at