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WOMAN Kolumne: Die Kunst, Urlaubsgefühle zu verlängern

Die Kunst, Urlaubsgefühle zu verlängern/ WOMAN Magazin Ausgabe 09. September 2021

 

Trudele durch die Welt. Sie ist so schön, gib dich ihr hin, und sie wird sich dir geben.“ Ein wunderbarer Gedanke von Kurt Tucholsky, der perfekt zusammenfasst, wie gut es tut, die Welt mit ihren Schätzen wahrzunehmen. So betrachtet, hoffe ich, dass Sie viele schöne Sommertage hatten – fröhlich, schwebend.  

Aber was kommt jetzt? Der übliche Alltag – und: „More of the same?“. Das sollte nicht sein – höchste Zeit, etwas anders zu machen. Indem wir uns eine neue Art, zu tun und zu denken, aneignen. Es lohnt sich.  

 

„Arbeiten wie im Urlaub“ ist jener Satz, der mich nach Auszeiten und Reisen mantraartig begleitet. Was das bedeutet? Wie erwähnt: uns umzuprogrammieren. Mit dem Ziel, dass sich unser Berufsalltag leichter anfühlt und Freude bereitet. Dazu ist es zunächst nötig, die persönlichen Stressoren zu identifizieren. Zum Beispiel mit einer zehnminütigen Meditation als entspannte Innenschau. Plötzlich wird deutlich, wovon wir uns jagen lassen. Und dass wir es in der Hand haben, beispielsweise unseren Urlaubsausklang genauso wie unser Leben zu steuern. Ich selbst liebe es, langsam wieder einzusteigen, was bedeutet, dass ich mir einige Tag nach dem Urlaub noch frei nehme. Ein Luxus, der mir Zeit schenkt, wieder anzukommen, alles im Außen zu ordnen und das eine oder andere berufliche „To-do“ rechtzeitig und ohne Druck zu erledigen. Entspannt und lässig nebenbei. Das schenkt mir das positive Gefühl eines Zeit-Guthabens und meiner Deadline voraus zu sein. 

 

Auch die Wissenschaft gibt uns diesbezüglich etwas auf den Weg, vor allem was die Nutzung unseres Smartphones betrifft. Hier wissen wir, dass das Handyklingeln in unserem Gehirn Unruhe auslöst. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Benachrichtigungen am Smartphone den „Kopf“ dahingehend trainieren, dass er in einem laufenden Stresszustand gehalten wird. Das bedeutet für den präfrontalen Cortex, als jenen Teil unseres Gehirns, der für die anspruchsvollsten kognitiven Aufgaben zuständig ist, nichts Gutes. Die ständigen Impulse machen uns müde, wir werden ausgelaugt und fühlen uns von Reizen überflutet. Das überfordert. Niemand ist immun dagegen, auch wenn das manche glauben. Und so kommt es sogar zu so genannten „Phantom-Vibrationen“: Dabei entwickeln wir das Gefühl, jemand hat eine Nachricht geschrieben. Das Handy will unsere Aufmerksamkeit, obwohl gar nichts ist. Das alles passiert, weil unser Körper für so viele Alarm- und Signaltöne nicht gemacht ist. So werden Stresshormone aktiviert, die uns innerlich für eine Kampf- oder Flucht-Reaktion vorbereiten. Und zwar nonstop. Der Herzschlag erhöht sich, wir atmen flacher, verspannen uns. Umso wichtiger ist es, sich auch im Alltag Urlaubsinseln ohne „Piepsen“ zu schaffen. Etwa, indem wir an freien Tagen oder zu bestimmten Zeiten das Smartphone ausschalten oder zumindest stumm stellen. Was Mails betrifft, bin ich mittlerweile Meisterin darin, eine automatische Abwesenheitsnotiz zu schreiben. Das wirkt entschleunigend, beruhigt das Gedankenkarussell und bremst den Impuls, ständig die E-Mails abzurufen. Auch bei einzelnen freien Tagen informiere ich so über mein „nicht erreichbar sein“. 

 

„Wie im Urlaub“ zu arbeiten, kann auch bedeuten, im Freien zu sein, wenn sich die Gelegenheit ergibt – etwa im eigenen Garten oder in einem Schanigarten. Oder mich ungestört auf EIN Projekt oder EINE Idee zu konzentrieren. Dabei ist wichtig, dass wir kreativ werden, um uns von üblichen Gedanken-Konstrukten zu verabschieden. Alles was uns Urlaubsgefühle bringt, ist erlaubt. Zum Beispiel, sich den besten Foto-Moment – ein Sonnenuntergang, eine Bergtour, das Meer – als Bildschirmschoner zu installieren. Oder groß auszudrucken, um ihn in einem Bilderrahmen beim Arbeitsplatz aufzuhängen und anzuschauen: tief einatmen, und sich erinnern. Eine wunderbare Art, zu pausieren, weil sich das Unterbewusstsein subtil an den damit verbundenen Entspannungszustand erinnern kann. Und wenn sich diese Punkte mit der beruflichen Tätigkeit nicht vereinbaren lassen, weil es der Job nicht erlaubt, können wir darüber nachdenken, was uns im Urlaub am besten gefallen hat. Das Frühstück draußen, ein gutes Buch ungestört zu lesen, der frisch gepresste Obstsaft oder das lange Spazieren am Strand, Zeit für gute Gespräche mit dem Partner: Wie können wir diese Lieblingsmomente in den Alltag integrieren? Mag sein, dass nicht alle Ideen umsetzbar sind, aber schon ein bisschen zählt. Geht nicht – gibt’s nicht.  Sagen Sie sich viel lieber: entspanntes Arbeiten mit Urlaubsfeeling – ich darf das, es ist möglich!