Mein erstes Mal

„Achtsam essen. Genieße dein Essen mit allen Sinnen! Spüre, wenn du statt bist und beende die Mahlzeit“,

steht auf dem Zettel, den ich vor der Mittagspause gezogen hatte. Das Seminar unter dem Titel „Achtsamkeit und Fokus: Gehirn trifft Meditation“ ist das erste dieser Art, das ich besuche. Ich bin grundsätzlich ein neugieriger, offener Mensch und habe immer Lust, Neues kennenzulernen. Esoterik liegt mir fern. Ich mag es gerne faktenbasiert und am Boden.

Als ich Nicole Hobiger-Klimes ein paar Wochen zuvor in einem Arbeitskontext kennenlerne, bin ich begeistert von ihrer ansteckenden Freundlichkeit und Fröhlichkeit. Eine Frau, die weiß, was sie kann und was sie will. Eine leidenschaftliche Verfechterin der Meditation. Ob ich es vielleicht einmal ausprobieren möchte? Spontan nehme ich Nicoles Einladung an und wenig später sitze ich im wohl schönsten Seminarraum Wiens, dem „Seminarraum im Grünen“, wo neben Nicole, Alexandra Ferdin den Tag inhaltlich gestaltet. Die Neurologin erzählt in kurzweilig aufbereiteten Impulsvorträgen Wissenswertes zum Thema Meditation und Wirkung.

Multitasking ist eine Lüge!

notiere ich mir. Und die Liste der dauerhaft positiven Veränderungen bei längerer Mediationspraxis hört sich fast zu gut an, um wahr zu sein. Alexandra berichtet von verbesserter Aufmerksamkeit, niedrigeren Blutdruckwerte, Einfluss auf das Schmerzempfinden, geringeren Entzündungsreaktionen im Körper und verbesserter Stressreaktion, und, und, und. Das Beste: all diese Informationen sind wissenschaftlich belegt.

Zwischen den Hard-facts mache ich unter Nicoles Anleitungen meine ersten Meditationsübungen. Ich atme. Ich zähle kleines Kügelchen und atme. Ich atme und zähle von eins bis zehn. (Und bin schockiert, wie schwierig das plötzlich für mich ist. Bei welcher Zahl war ich gerade?) Ich liege auf der Matte, spanne einzelne Muskeln an und entspanne. Ich versuche mich auf mich und meinen Atem zu konzentrieren. Besonders einfach und wirkungsvoll für mich ist eine Übung, die sich „Hand on Heart“ nennt. „Ein Notfall-kit, mit dem es gelingt, Panikattacken in weniger als einer Minute abzufedern“, so die Expertinnen. Bei der abschließenden Traummeditation döse ich fast weg. In den Pausen bleibt Zeit für kurze Gespräche mit den anderen Teilnehmerinnen. Wir sind alle Frauen, Ende 20 bis Mitte 50 – spannende Persönlichkeiten mit interessanten Biografien. Die Mittagspause verbringe ich mit einer Ärztin und einer Personalchefin in einem nahegelegenen Lokal. Entgegen meiner Gewohnheiten esse ich wirklich nicht auf, sondern höre auf als ich satt bin.

Am Ende des Tages bin ich wohlig aktiviert und glücklich, mich auf das Abenteuer eingelassen zu haben. Den Vertrag, den ich mit mir geschlossen habe, habe ich nicht gebrochen. Auf Nicole und Alexandras Anraten, sollten sich alle Seminarteilnehmerinnen zwei Challenges überlegen. Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag fünf Minuten zu schreiben.

Eine einfache Möglichkeit, Stressmuster zu erkennen, Gefühle zu ordnen und Ziele zu erkennen

wissen die beiden Leiterinnen.

Schon nach ein paar Tagen bin verblüfft über die Ergebnisse. Das Seminar hat mich nachhaltig geprägt. Dafür sage ich danke!  Und: Mein erstes Mal war bestimmt nicht mein letztes Mal.